Teenage Angst

Teenage Angst

von Jessica Lazar

„Die Jugendlichen heutzutage sind frech, respektlos und arrogant, sie feiern und trinken zu viel, und die Mädchen geben sich viel zu leicht her.“
Sowas bekommt man oft zu hören, wenn man in der heutigen Gesellschaft aufwächst. Die meisten Erwachsenen sind überarbeitet oder mit ihrer jetzigen Situation nicht zufrieden und lassen es an den Kindern aus. Sie reden sich ein, sie meinen es gut und wollen, dass wir eine bessere Zukunft haben als sie selbst. Ich sage ja nicht, dass die Erwachsenen uns nur Böses wollen und alles kaputt machen, aber sie wissen nicht, wie es ist, im Hier und Jetzt aufzuwachsen. Sie meinen, dass alles besser und einfacher ist, da wir Jugendlichen doch mehr Möglichkeiten haben, wir haben mehr Chancen auf Erfolg. Doch wir haben auch mehr Druck und mehr Versuchungen zu bewältigen.
Sie wissen es nicht, wie es ist, raus zu gehen und überall Menschen betrunken oder high zu sehen, denen es doch gut geht. Sie lachen und tanzen und sehen so frei aus, so sorglos. Deswegen greifst du nach der Flasche oder lässt sich überreden, diese Pille zu schlucken, weil du auch so frei und sorglos und vor allem glücklich sein willst. Du gehörst dann dazu. Du kannst es ausblenden und vergessen für einen kurzen Augenblick, dass deine Eltern dich für einen Versager halten, weil du nicht die besten Noten schreibst oder wie deine Geschwister sportlich begabt bist. Denn wenn du dabei bist ohne Wenn und Aber, fühlst du dich von deinen Freunden geliebt, und wer von euch will das nicht. Wir streben nach Liebe, Liebe und Anerkennung

Wir haben Angst davor, anders zu sein, wir haben Angst davor, nicht so wie die „normalen“ Menschen zu sein. Wir haben Angst, dass wir nicht normal sind.
Doch was ist an „anders“ falsch?
Wir leben in einer Mitläufergesellschaft, wo jeder versucht, mit dem Strom zu schwimmen und dazuzugehören.
Man braucht keine Angst davor zu haben, man selbst zu sein. Jeder ist so, wie er ist, und er ist nicht allein. Es gibt andere Menschen, denen es genau geht, also trau dich, du selbst zu sein, bevor du dich komplett unglücklich machst.

Doch woher kommen diese Ängste? Wieso haben so viele Menschen Angst davor zu sein, wer sie wirklich sind, zu zeigen, was sie wirklich mögen, und zu sagen, was sie wirklich denken? Kann man hier auch die Schuld auf die Erwachsenen und Eltern schieben, oder liegt es an unserer Generation? Man wird von Freunden und auch von Fremden schnell in eine Schublade gesteckt oder abgestempelt.
Wenn du gute Noten schreibst, bist du ein Streber, und erstaunlicherweise ist das heutzutage eine Beleidigung. Wenn du arm bist, wirst du als Assi abgestempelt. Wenn du reich bist, bist du laut unserer Gesellschaft automatisch arrogant und oberflächlich. Man kann es niemanden Recht machen, also versuche es auch nicht.

Wir sind alle Menschen, die ihre guten Seiten und ihre schlechten Seiten haben. Wir haben zwar unterschiedliche Probleme, doch egal ob reich oder arm, dumm oder klug, Junkie oder Langweiler wir haben mehr gemeinsam, als es auf den ersten Blick zu sein scheint. Es gibt bestimmt viele Theorien von Marktforschern oder wem auch immer, doch diese Fragen können sie mir nicht beantworten, weil wir jugendlichen nicht mal selbst eine Antwort darauf haben, wieso es so ist und nicht anders.

Ich selbst bin noch ziemlich jung und lebe jeden Tag in unserer Gesellschaft. Ich denke jedoch, dass ich erwachsener bin als die meisten in meinem Alter. Ich habe meine Schwächen und Stärken und meine Ängste. Ich liege oft in meinem Bett und denke nach. Ich denke darüber nach, wie mein Leben weiter verlaufen sollte bzw. wird, und ich muss ehrlich sagen, manchmal weine ich lange. Ich weine, weil ich auch nur ein Mensch bin, der Angst hat. Angst vor dem Versagen, Angst vor meinen Entscheidungen und Problemen.
Ich habe Angst, meine Familie zu enttäuschen. Ich habe Angst, alles zu versauen, doch das, wovor ich mich am meisten fürchte, ist der Gedanke, dass ich eines Tages nicht glücklich mit meinem weg und mit meinen Entscheidungen bin. Ich habe Angst, dass ich am Ende mich selbst verliere und nur eine Puppe sein werde, die immer nur „das Richtige“ tut.
Ich will das alles nicht, ich will einfach nur frei sein, ich will mich selbst finden und meinen Weg für mich wählen. Es ist mir klar, dass man ab und zu unglücklich ist, aber es ist gut so, denn damit lernt man die Glücksmomente zu schätzen. Die kleinen Augenblicke, die alltäglichen Dinge, die man sonst nie bemerkt hat. Solche Momente halte ich fest.

Ich für mich persönlich will keinen großen Erfolg und Ruhm. Ich will einen Mann, den ich über alles liebe, ich will ein Haus mit einem Garten, und ich will Kinder. Ich hoffe, auch dass meine Kinder in einer anderen Gesellschaft aufwachsen werden, damit meine ich eine Gesellschaft ohne Drogen, die angeblich die Lösung für alles sind, und ohne Alkohol, bei dem, je mehr du verträgst, desto cooler bist, egal ob du erst 12 oder schon 18 Jahre alt bist.
Doch vor allem wünsche ich mir eine Generation, wo die Kinder Kinder sein können. Ich meine, wo sie sich nicht mit 13 Jahren betrinken und mit 15 schon mehrere Beziehungen hinter sich haben. Ich will, dass meine Kinder jeden Tag draußen spielen, nicht am Handy, nein, sie sollen Verstecke bauen und im Sandkasten spielen. Später mit Puppen und Autos oder aber auch beidem. Sie sollen sich sicher fühlen; da wo sie aufwachsen, und keine Mutproben erledigen müssen, um dazu zu gehören.
Möglicherweise sollten wir die Älteren und die Erwachsenen bitten, die Welt mal aus der Sicht unserer Kinder und Freunde zu betrachten, damit sich etwas ändert. Damit die nächste Generation ohne Ängste und ohne Druck aufwächst und sich liebt, so wie sie ist.

Jeder hat seinen eigenen Willen und seine eigene Macht, etwas zu verändern, es liegt an jedem von uns, denn die kleinste Veränderung zählt.

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