Pfanne

Pfanne

von Norbert Leitgeb

Sechs Eier waren einst verwandt,
zwei Brüder davon amtsbekannt.

Ganz speziell der ältre Bruder,
war ein ganz hartgesottnes Luder.
Er hat geeiert und getollt,
bis man ihn packt, am Teller rollt,
das Schalenkleid herunterreißt,
und nackt mit etwas Salz verspeist.

Der jüngre, ebenfalls ein Wicht,
entging auch der Bestrafung nicht.
Da half auch nicht sein feiger Schwur,
er sei doch bloß ein Weichei nur.
In aller Früh wurd er geköpft.
und mit dem Löffel ausgeschöpft.

Das dritte Ei war tief gerührt,
wohin das bittre Schicksal führt.
Es hatte schon frohlockt für sich:
„Zum Glück traf sie es und nicht mich!“
Doch rieb zu früh es seine Hände:
Es fand als Rührei jäh sein Ende.

Das vierte Ei merkte erschreckt,
dass man zwei Löcher in es peckt,
und, ehe es noch protestiert,
hinauf zu einem Munde führt.
Dann loschen ihm die Lebensfunken:
Es wurde einfach ausgetrunken.

Das fünfte Ei war fromm und brav,
drum droht ihm, glaubt es, keine Straf.
Doch bald war auch sein Los besiegelt.
Es wurde in der Pfann gespiegelt
und war auf einer Scheibe Brot
beim Frühstück schön, doch mausetot.

Das sechste Ei lag wie auf Kohlen
und schimpfte keck: „Kommt mich doch holen!
Ihr könnt mir gern die Schale brechen,
dann kann ich meine Brüder rächen!
Schlagt mich in einen Pfannensarg
denn ich bin faul – und stinke arg,
bin ganz und gar im Innern schlecht!“

Jedoch, die Welt ist ungerecht.
Das sechste Ei, das blieb verschont!Worin sich zeigt, wie schon gewohnt:
Genau besehn, bei rechtem Licht:
Es sind zumeist die Schlechten nicht,
die ’s blinde Schicksal ungeschaut
tagtäglich in die Pfanne haut.

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