Paestum

Gedicht von Birgit Rivero

Paestum,
Wo weiße Steine
Aufstanden, um Säulen zu formen,
Die leuchtenden Arme weit
Geöffnet zur Ebene hin,
Ein Pinienmantel
Und dunkles Ultramarin
Gemalt vor schneeiger Ferne.
Paestum,
Wo heute
Der Fuß vergessene Namen tritt,
Wo stumm der Schatten zerbröckelt
Drei Spannen hoch über der Erde;
Die Schultern der Tempel gestützt
Auf müdes Gebälk,
Das Allerheiligste nackt,
Der Weihrauch im Wind,
Verstört die Gewänder der Götter,
Und selbst die hundertblättrigen Rosen
Duften nach Autoverkehr.
Paestum,
Und doch,
Auf dem fehlenden Dachstuhl
Hängt  die gewölbte Waage
Fließender Harmonie,
Auf brüchigen Kannelüren
Ist noch der Abdruck göttlicher Finger zu lesen;
Rittlings auf rissigen Mauern sitzt Helios,
Wirft mit Orangen,
Und eine braune Eidechse
Betet, die Augen geschlossen, am Opferaltar.

Ruine Paestum bei Salerno

Netfinder:
https://de.wikipedia.org/wiki/Paestum

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