Nachruf auf Harmut Sörgel

Hartmut Sörgel
27.7.1940 – 10.10.2015

von Elvira Surrmann

Lieber Hartmut,
Dein Pixel-Ich hat uns verlassen.
Alles, was wir mit Dir erlebt haben, ist plötzlich so lange her.
Weißt Du noch …

1940 bist Du in PeSörgelbildine geboren, in Quedlinburg aufgewachsen, fast in die Bode gefallen, aus Neugier, fast auf die Plejaden geflogen, aus Abenteuerlust.
Du wolltest Li Tai Bei besuchen und Rabindranath Tagore, Omar Chayyam und Walther von der Vogelweide, Du Vagabund im Weltall grenzenloser Malerei und Poesie wolltest Astronom werden und wurdest Sprachwissenschaftler und gleichzeitig Maler/Grafiker und Dichter bis zuletzt.

Die Wörter fallen aus Deinen Bildern und fliegen übers Alfabeet wach und träumend obskur hybrid.

Auf Twitter hast Du uns erzählt:
Die Wörter fallen aus den Bildern wach und träumend Sie sprechen schreiben malen singen und ich mit ihnen Maler und Dichter
Und in der Tat sind die Wörter aus Deinen Bildern gefallen, auf die Zunge und in die Augen. Wir konnten sie sehen und hören.
Du warst auf der Suche nach ihnen, Dein Leben lang, auf der Suche nach den Wörtern, nach ihrem Klang, nach ihrer Energie. Nach der Poesie.

Ein guter Freund war Dir Omar Chayyam, der vor tausend Jahren lebte und gern Wein trank. Den trafst Du manchmal hier in einer Kneipe und auch im Netz. Du fragtest: Was machst du mit Computern?

Ich schreibe ein Gedicht
Der Bildschirm spuckt mir Reime ins Gesicht
Danach erkennt mich selbst mein Spiegel nicht
Er sieht mich als vernetzte Wörter dicht an dicht
und ist nur noch auf schönen Reim erpicht

Du suchtest die Poesie, die Dir doch überall im Leben anwesend schien.

Wir sehen und sprechen poetisch.
Seht mich doch an:
Ein Witz
Ein Gedicht
mein Gesicht
im Licht
Ein Blitz

Grün und blau
kräht der Pfau
aus meinem Kopf
der bunte Tropf
und lacht
Donner kracht

Ach, Hartmut, wie lange ist das alles her!
Deine Texte im tage-bau, unsere gemeinsame Lesung in lettrétage. Das hast Du daraus mitgenommen:

Das Berliner Zimmer ist mein Pixel Ich
und gleich hinter dem Haus
ein Tagebau pwink pwink
dadamdadam ban
Sand und Dreck
dadadap
Kellner Winter serviert in Kreuzberg
Schneeklumpen, Couchpotatoes
das ganz kleine verrückte Leben
Fußgänger schmale Autos…
Witze auf Bäumen fallen in die Blüten
Du Nachbartöle
Nord-Südpol flog nach Kreuzberg
Die Liebe flog davon in Löffeln
Das ist kein Witz
Hochkarätiger Papst trinkt scharfe Pfütze
Sturzregen zwitschert einen Friedhof
Joggend schleicht Allah Gott im Sack
als nasse Neun durch den Zaun
Papst verdreht Grabsteine
Blumen schreiten ein sonst niemand
Hau ab was machen Sie hier?
Du Einkaufswagen im Knast
Du kaputte politücken Bank
Wenns knallt
wisst ihr Bescheid

Am 10. Oktober hast Du den Stift für immer aus der Hand gelegt.

Ein wirklicher Verlust! Deine versponnenen feinen Texte, Dein feiner Humor, alles wird uns fehlen.

Hartmut, Du fehlst uns!
Für den tage-bau und kreuzbook

10. November 2015

Elvira Surrmann

Netfinder:
http://kreuzbook.blogspot.com/2015/11/hartmut-sorgel.html – mit freundlicher Genehmigung der Autoron

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